Freitag, 21. September 2007

freshers' week part I

Nachdem ich nach diversen Meetings mit mehreren liebenswürdigen Menschen, die aufrichtig darum besorgt sind, dass ich die richtigen Kurse belege, mich endlich einschreiben konnte, habe ich inzwischen endlich Zugang zur Library. Selbige ist ein riesiger Komplex und unterscheidet sich im Wesentlichen kaum von einer anderen Universitätsbibliothek. Bis auf die Tatsache, dass ich mich beim Betreten etwas hilflos nach Schließfächern umgesehen hab, woraufhin die Pförtnerin mir mehrmals versichert hat, ich dürfe gerne Jacke, Rucksack, und alles, was frau noch so mit sich durch die Gegend trägt, mitnehmen: "We trust you"! An dieser Stelle geht mein aufrichtiges Mitgefühl an alle, die tagtäglich durch die endlosen Gänge der Tübinger Bibliotheken wandeln, packesel-mäßig beladen, mit von Handy und Geldbeutel und Schlüssel und Labello undundund ausgebeulten Hosentaschen, dem Laptop und dem Ordner und drei Büchern auf dem Arm und in der ständigen Angst lebend, im nächsten Augenblick den geliebten Computer mitsamt dem soeben darauf fertig gestellten Essay fallen zu lassen… Anyway, damit auch ihr was zu lachen habt, hier ein Auszug aus meinem „Guide", einem 200seitigen Handbuch zum (Über)leben an der Uni. Bei der Lektüre hatte ich zunächst das Gefühl, es mit auf 200 Seiten geballtem britischen Humor zu tun zu haben, mittlerweile musste ich aber entsetzt feststellen, dass diese (und unzählige andere) Hinweise wohl ernst gemeint sind:

"… Unfortunately if you want anything more substantial during a long stay at the library you’ll have to head out to get something to eat either in Great Western Road or in Byres Road. If you do leave the Library then remember that you have to go back, although it will doubtless be very sunny and your friends will be sitting in the park. Just because your bag and books are in the Library it doesn’t mean that you’re doing work, …".

Na, ist euch jetzt klar geworden, wie genau eine Library funktioniert? Lesen müsst ihr selber! Und um auch den letzten Zweifelnden von den Vorzügen einer Bibliothek zu überzeugen schreibt J. Evans, Literatur(!) Student:

"I really wish I’d started to use the library earlier, it’s a great resource and I think I missed out by not using it enough during my first years."

In diesem Sinne: Gehet hin, ihr Studierenden, und machet euch die Bücher untertan. Nützet die schier unendlichen Massen geschriebenen und gedruckten Wortes – und wenn der kleine Hunger kommt, schnappt euch xxx :-)

Donnerstag, 20. September 2007

internetlos

Entgegen diverser Befürchtungen bin ich nicht verschollen, sondern nur abgeschnitten von der Außenwelt bzw den Vorzügen des modernen Kommunikationszeitalters. Will heißen, ich hab keinen Internetzugang zu Hause, und da die Uni noch nicht angefangen hat, bin ich bislang von Pub zu Pub gepilgert und hab deren Netzwerke angezapft. Letzte Woche hatte ich sechs Tage lang Welcome Programme an der Uni, ein Veranstaltungsmarathon für alle Internationals, bei dem man mit allen erdenklichen Informationen, sowie Kulturellen und Kulinarischen Hochgenüssen gefüttert wird. Das Leben auf dem Campus unterscheidet sich massiv von einer durchschnittlichen, nicht elitären deutschen Universität mit passablem Ruf: Für jedes erdenkliche Anliegen gibt es hier Offices, deren unfassbar freundliche Mitarbeiter „delighted“ sind, dir zu Diensten zu sein. Das geht bis hin zu einem hauseigenen Health Service. Um sicher zu stellen, dass der geneigte Austauschstudent, der so überaus freundlich war, Glasgow als Zieluniversität auszuwählen (also ich), nicht beginnt sich zu langweilen angesichts der Informationsflut über Gratis-Dienstleistungen und Gelegenheiten, Land und Kultur besser kennen zu lernen, wird er in regelmäßigen Abständen mit Erfrischungen und Snacks bei Laune gehalten, sowie Sightseeing-Busfahrten, Bunten Abenden, Ganztagesausflügen,… Alles in allem, falls unsere Kultusminister sich immer noch fragen, wie sie am besten unsere Studiengebühren anlegen können, ich hätte da inzwischen ein, zwei Vorschläge!

Montag, 3. September 2007

"all purpose" reiniger


Uff, geschafft! Nach zwei Tagen Einsatz meldet sich das kleine Putzteufelchen zurück unter den Lebenden. Am Samstagabend, nach einer schier unendlichen Schlüsseljagd und diversen Verständigungsproblemen (Deutsch-Englisch-Schottisch-Hindi), konnten Ca und ich unsere neue Wohnung beziehen – bepackt mit Bettwäsche, Handtüchern, Putzmittel und allerlei anderem Kram. Glücklicherweise war’s da schon nicht mehr so hell, sodass wir das tatsächliche Ausmaß des Drecks und Gerümpels nicht sofort realisiert haben. Am ersten Abend waren wir mit Saugen und Schlafzimmer-Möbel säubern beschäftigt, und haben uns dann gegen unsere Küche und für „Subway“ entschieden. Am Sonntagmorgen allerdings kam dann das böse Erwachen. Die Details werde ich dem Leserkreis ersparen – könnte ja sein, dass ihr gerade am Essen seid. Nur soviel: Insgesamt haben wir eine Flasche „All-Pupose“ Reiniger, eine dreiviertel Flasche Scheuermilch, 10 Spülschwämme, mehrere Schwammtücher, und eine Flasche Desinfektionsmittel gebraucht. Ja, genau. Prost Mahlzeit=) Und dabei haben wir das lebende Geschirr noch nicht mal versucht in einen akzeptablen Zustand zurückzuversetzen. Nachdem wir dann heute neues Geschirr gekauft und uns mit einem Grundvorrat an Lebensmitteln versorgt haben, gibt es heute das erste selbst gekochte Essen, dass nicht aus Burger + x besteht – das ist nämlich Grundnahrungsmittel No 1 für den Briten. Hier bekommt man sogar beim Italiener Burger und Sandwiches. Naja, wenn man sich so im Supermarkt umschaut, braucht man auch nicht lange zu überlegen, woher wohl die höchste Übergewichtsrate Europas kommt: Die Lebensmittel kriegen einfach den Aufdruck „healthy choice“ oder „less fat“, und schon scheint das Gewissen beruhigt zu sein, aber was genau an der choice healthy ist oder was das tertium comparationis zu „less“ ist, darüber wird die Zielgruppe im Dunkeln gelassen. Freut euch also, ihr Daheimgebliebenen, über all das Gemüse um euch herum:).

Donnerstag, 30. August 2007

*mietvertrag unterschrieben*

Yeah, we did it!! Mein neues Zuhause wird ab Samstag in der Argyle Street (sprich: ah, GEIL =)) sein, in der optimalen Lage zwischen Uni (West End) und City Centre. Schicksal oder Fügung, ich weiß es nicht, aber es war die erste Wohnung die wir gleich im Samstag angeschaut haben, und obwohl sie eigentlich nur ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer hatte war der liebenswürdige Vermieter (ja, genau, einer der Inder) bereit, der Ca und mir ein zweites Bett sowie zwei Schreibtische zu kaufen, und deshalb werden wir also am Samstag unser schnuckelig-gemütliches 14er Youth Hostel Zimmer (!) verlassen, um uns in der A*GEIL Street häuslich nieder zu lassen. Die Zeit bis dahin ist gefüllt mit Museumsgängen (deren Eintritt in Glasgow frei ist) und, äh, Marktforschung;-) Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Haushaltswaren sind ziemlich gleich wie die in Deutschland… nur dass man eben nicht in Euro, sondern in Pfund zahlt. Dafür sind Klamotten vergleichsweise billig, H&M muss sich hier schon was einfallen lassen um eine Alternative darzustellen.

Ansonsten freunden meine neue Stadt und ich uns schnell an, es ist auch echt leicht Kontakte zu knüpfen. Egal ob im Pub beim Anstehen an der Theke (self-service, u know) oder beim Menschen von der Parkbank aus beobachten oder in Shops, die Leute sind sehr offen und hilfsbereit und sprechen dich an oder versuchen, dir weiterzuhelfen. Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig, und auch nach dem dritten „Pardon?“ wiederholen sie ihre Sätze nur langsamer, aber nicht wirklich deutlicher. Man fühlt sich dann wie eine schwerhörige, tatterige Seniorin, der man alles ein paar Dezibel lauter in kurzen, syntaktisch simplen Sätzen ins Ohr brüllen muss. Aber immerhin lächeln die Leute dabei und bleiben geduldig, und ich bin zuversichtlich, dass sich das bis in ein paar Wochen gibt. Und bis dahin müssen „Scott the Scot“ (eine der Theken-Ansteh-Bekanntschaften) und seine Freunde sich eben wiederholen, wenn sie mir was mitteilen wollen:-).

Sonntag, 26. August 2007

Welcome to Glasgow – the best small country in the world


Dieses Plakat hat mich gleich nach der Ankunft in überdimensionaler Größe angestrahlt, und eine Busfahrt später, auf dem Weg in das ebenso überdimensionaler Youth Hostel, hat ein liebenswerter Schotte angesichts meines Gepäcks die erste Hälfte des Grußes wiederholt. Willkommen kann man sich hier durchaus fühlen, keine Frage. Innerhalb von nicht ganz achtundvierzig Stunden hab ich bereits tiefe Einblicke in die Welt der schottischen Großstädter gewonnen, und JA, ich habe das Geheimnis gelüftet, was man/frau unter dem Kilt so trägt. Nein, nicht weil hünenhafte Highlander sich von ihrer besten Seite gezeigt haben. Vielmehr, weil Glasgewian Girlies bei ihrer Kleiderwahl in keinster Weise die Windstärke bedenken…Naja, das Drunter ist jedenfalls nicht von nennenswerter Größe. Und das Schamgefühl der Mädels auch nicht;) Ach ja, das Wetter: Wir sind am Freitag bei strahlendem Sonnenschein und knallblauem Himmel angekommen. Okay, für den Landeanflug mussten wir das über einer Wolkendecke zurücklassen, aber heut morgen wurde ich von Sonnestrahlen auf meinem Gesicht wach gekitzelt.
Die Wohnungssuche ist in vollem Gange, und alles in allem anstrengend, aber nichts aussichtslos. Offenbar sind alle potentiellen Vermieter entweder Inder oder heißen David, und Carina und ich sind guter Dinge, dass einer der unzähligen Davids oder Inder was Nettes und Bezahlbares für uns hat.